HISTORISCH

Alles begann im Kopf von drei Freunden

Das Internationale Folkloretreffen Freiburg fand 1975 zum ersten Mal statt. Das Abenteuer hatte jedoch bereits zwei Jahre zuvor im Kopf von drei Freunden begonnen: Cyrill Renz, Pierre Stempfel und Albert Bugnon. Gehörte der erste einer Volkstanzgruppe an, so musizierte der zweite in einem kleinen Ensemble, während der dritte soeben zum Verantwortlichen des Freiburger Verkehrsbüros ernannt worden war. Cyrill Renz und Pierre Stempfel hatten bereits Begegnungen mit Artisten aus anderen Ländern kennen und schätzen gelernt. Albert Bugnon war Mitglied des Organisationskomitees der Internationalen Triennale der Fotografie, eines damals in Freiburg neu gegründeten Fotowettbewerbs. «In diesem Komitee wurde man sich bewusst, dass es gut wäre, gleichzeitig mit der Ausstellung der preisgekrönten Fotografien eine populärere Veranstaltung anzubieten», erzählt Albert Bugnon. «Als ich diesem Gremium unsere Idee eines Festivals der Weltfolklore vorstellte, wurde sie mit grosser Begeisterung aufgenommen.» Das Festival sollte also vor allen Dingen den Kulturaustausch fördern.

Albert Bugnon, co-fondateur des RFI

Die drei Freunde dachten sofort an ein Festival, obwohl diese Veranstaltungsart damals noch nicht sehr verbreitet war. Resultat: das erste Folkloretreffen empfing 1975 sieben Gruppen und dauerte vier Tage, von Donnerstag bis Sonntag. Während der ersten sieben Jahre war Albert Bugnon Präsident des Organisationskomitees. «Die erste Ausgabe war ein solcher Erfolg, dass ich am Ende der letzten Vorführung das Publikum schon für das nächste Jahr einlud», erinnert er sich. Die Organisatoren hatten also einen Volltreffer gelandet, doch brauchte es noch etwa zehn Jahre, bis das Festival seine endgültige Form gefunden hatte. Angesichts der Begeisterung des Publikums erhöhten die Veranstalter die Zahl der Tage und der Teilnehmenden. Dachte man zeitweise sogar an ein zweiwöchiges Festival, so liess man es schliesslich bei zehn Tagen genug sein: der Rekord, was die Dauer betrifft. 1981 im Rahmen der Jubiläumsfeiern zum Eintritt Freiburgs in die Eidgenossenschaft und 1991 anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Eidgenossenschaft wurden 14 Gruppen zu den RFI eingeladen: der Rekord hinsichtlich der Beteiligung. «Bei jeder Ausgabe suchten wir etwas Neues zu bringen», betont Albert Bugnon. Seit Beginn des neuen Jahrtausends bieten die RFI beispielsweise jeder Gruppe die Möglichkeit, ihre Kultur nicht nur in traditionellen Vorführungen, sondern auch in Vorträgen oder Präsentationen vorzustellen.

Albert Bugnon ist besonders stolz auf einen wichtigen Aspekt der RFI: «Es ist uns stets gelungen, politischen oder religiösen Pressionen bestimmter Gastländer standzuhalten.» Nordzypern, Palästina oder Kosovo kurz nach Ereignissen einzuladen, welche die Geschichte dieser Länder geprägt hatten, war nicht einfach, doch schliesslich trug die Kultur stets den Sieg davon…